Aufregung macht sich breit. Mein Herz klopft und mein Bauch kribbelt.

Seit letztem Mittwoch “Tag der Frau” beschäftigt mich die Frage, warum braucht es so einen Tag. Ich besinne mich zurück an meine Kindheit, wo es noch unglaublich schwer war für Frauen arbeiten zu gehen. Meine Mum die nur 18 Jahre älter ist als ich hatte es schwer arbeiten zu gehen neben 2 Kindern. Denn mein Vater, obwohl für damals sehr aufgeschlossen in seiner Denke, war aufgewachsen in einer Familientradition wo die Frau auf jeden Fall zu Hause bei den Kindern war. Meine Großmutter nähte sogar Nachts heimlich für eine Modefirma, weil eine gut bürgerliche/sehr katholische Familie es nicht notwendig hatte, dass die Frau arbeiten ging und nicht zu Hause war um zu kochen, waschen, bügeln den Garten zu pflegen, die Kinder zu versorgen, den Mann zu verwöhnen, mit den Kindern zu lernen, das Haus und den Hof hübsch zu haben und vieles mehr. Und denn noch war es er, der mir, seiner Tochter jedes Jahr zum Tag der Frau gratulierte. Er war sehr stolz eine Tochter zu haben, die vielleicht etwas bewegt im Thema Frauen dieser Welt. Anscheinend war damals meine Stellung als Frau eine andere als die meiner Mutter. Als ich neben meinen Kindern zu arbeiten begann und sich die Frage der Kinderbetreuung stellte, hätte mein Vater es gerne gesehen, dass mein Mann zu Hause bliebe. Seltsam, dass für einen Menschen bei der Stellung der  Frauen so unterschiedliche Maßstäbe angewandt werden, aus der eigenen Situation, Wünschen und Bedürfnissen heraus. Er wollte seine Frau für sich und seine Tochter für die Welt.

 

Tatsächlich war es so, dass auch meine Mutter sich emanzipierte und ihr Leben so zu gestalten begann, wie sie es sich wünschte. Ja und ich Frau in einem Männerhaushalt – 3 Söhne und ein Lieblings(ehe)mann- gestalte mir mein Leben auch so wie es mir gefällt. Es scheint für mich leichter, doch gelten irgenwie immer noch die selben Regeln wie zur Zeit meiner Mum, meiner Großmutter…..Es war alles andere als einfach mit meinem Gewissen zu vereinbaren, dass ich nachdem ich mein Studium abgebrochen hatte, 2 Jungs zur Welt brachte, diese früh in den Kindergarten geben wollte. Denn auch in mir lebte ein Familientraditionsbild von einer Mutter die bei ihren Jungs zu Hause ist. Die sich um die Freizeitbespaßung kümmert, die gut kocht, die lustig ist, die es genießt zu Hause zu sein, die Freundinnen mit anderen Kindern trifft, die weiß wo die Windeln gerade am günstigsten sind, die viel Zeit auf Spielplätzen verbringt, die Kochrezepte austauscht, die schaut wo es hübsche Kinderkleidung gibt, die die besten Schuhe für die Jungs findet, die in musikalische Früherziehung geht, die turnt mit den Kindern, die alle Blumen kennt, die alle Bäume kennt, die viel spazieren geht, die immer föhlich ist, die weiß wie man Kinder erzieht, die bügelt, die eine Putzfrau einteilt, die den Garten schön hat, die den besten Gugelhupf backt, die sich in der Kindererziehung auskennt, die ihren Kindern GuteNachtLieder singt, die alle Dinos kennt, die mit den Autos durch das ganze Haus fuhr, die , die, die, die, die,…….bis ich eines Tages mitten in der Mariahilferstraße per Zufall eine Schulkollegin aus Graz traf, die mich auf der Straße anschaute als würde sie ein Alien sehen. Ich die gerade etwas fertig mit 2 Kleinkindern aus einem Geschäft kam, versuchte die beiden Lauser anzugurten (ja das vergass ich, ich wußte auch über die besten Kindersitze bescheid), die Schuhe und Mäntel für die Jungs im Kofferraum zu verstauen, sieh ansah und nichts mehr wußte. Sie sagte:” Du 2 Kinder, ein Familienauto und bist du vielleicht auch noch zum 3en schwanger…………schweigen………..du, nein nicht wirklich du! Für uns alle warst du immer die, die sicher Karriere macht, die sicher mal auf den Bühen dieser Welt seht. Nein ich glaub es nicht,,,,wirklich du……….! Tja wir hatten kein sehr langes Gespräch……. Ich war erstarrt, fand gleich in meinem Schock mitten in der Mariahilderstraße den Autoschlüssel nicht mehr. Sie radelte dann fröhlich weiter und ich saß im Auto, die Jungs wurden laut und ich fuhr paralisiert los. Hatte sie recht? Aber ich war doch immer ein Familienmensch? Oder? Stimmt ich habe zwar in Italien Dolmetsch studiert, aber in Ö mein Sportwissenschafts Studium, und mein Rechtswissenschaftsstudium abgebrochen. Ich bin meinen Kindern zu Liebe zu Hause geblieben, bin aufgegangen im Mutter sein, bin aufgegangen im brave Ehefrau sein, habe mein Können als Dolmetscherin nie ausgeübt, ich konnte ja meine Kinder nicht alleine lassen, niemand würde sich um sie so gut wie ich kümmern…………………..und ich war kurz vor 30. Also eigentlich 28 Jahr alt aber reif genug um eine saftige 30er Krise aufzureißen. Alles was ich bis dahin glaubte gern zu machen, lieb zu haben, in Frage zu stellen.

Währen ich diese Zeilen schreibe wird mir noch klarer, wie sehr ich als Frau es war und bin, die einem Klischee aufsitzt. Nicht mein Mann der mich zwingt und zwang irgendetwas zu tun, nein ich ……..es waren und sind meine Bilder, vielleicht auch das Erbe meiner Vorfahrinnen, einer Gesellschaft, einer Religion, einer Kultur, die mich zu der machen, die ich bin. Niemand ist Schuld! Ich habe es selbst in der Hand es zu ändern……….

Tag der Frau!

Die Isländer verankern per Gesetz die Gleichstellung der Entlohnung für Mann und Frau.

Die Amerikaner unter Präsident Trump stellen ein Denkmal in der Wallstreet auf. Man sollte meinen etwas männliches…………….NEIN – es ist ein Mädchen dass sich dem großen Bullen entgegenstellt.

Und irgendwie ist es aber vor allem ein ganz normaler Tag wie jeder andere.Ich vermisse meinen Papa, der mich an diesem und an vielen anderen Tagen nicht mehr anrufen kann.

Ist es wirklich ein Tag wie jeder andere?

Ich bin stolz eine Frau zu sein. Und ich bin stolz lange Zeit mit 4 Männern, kleinen und großen in einem Haus gewohnt zu haben. Eine ganz besondere Aufgabe – für mich!

 

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