kalt und finster wird. Dann ist das der Beginn einer Zeit, die an das Vergängliche erinnert, an das was sich auflöst und geht.

Ich beobachte und spüre schon Ende August, dass es beginnt. Ich veruche die Sonne, die Wärme, das Blühen, die Kraft des Sommers zu speichern, ein wenig fest zu halten. Noch ein bisschen, bitte noch ein bisschen soll es war sein und ich die Wärme auf meiner Haut geniessen können. Jedoch vernehme ich ganz klar, wie die Tage kürzer werden, sich die Natur verändert, die große Ernte beginnt. Die Ernte all der Früchte die uns Mutter Natur schenkt. Die letzten Felder werden geerntet, Obst abgenommen und ja die ersten Nüsse fallen von den Bäumen. Da sitze ich im Garten und träume, lausche der Stille und genieße. Plötzlich höre ich es klopfen…suche woher das zarte Klopfen kommt und folge mit meinem Ohr und meinem Auge und finde nichts. Es klingt nach dem Specht, aber der ist da nicht oder? Als ich mich dann erhebe um im Gras nach den letzten Wildkräutern zu suchen, finde ich die ersten Nüsse, teilweise noch in der Schale aber…mit Loch, einfach mit Loch, meine geliebten Nüsse, Mäuse? … neine das kann nicht sein. Da fällt mir wieder das Klopfen ein und ich neige meinen Kopf in Richtung Himmel, hinauf an den prachtvollen, kräftigen Ästen des Nussbaumes und da sehe ich ihn oder sie eine ganze Familie von Spechten. Sie klopfen nicht am Baum, sie picken in die Nüsse und holen sich die nährenden Inhalte der Nüsse heraus. Es scheint ihnen ein Fest zu sein….

Ein Nachbar, dem ich das erzähle meint dazu, ja….. könnte ein kalter strenger Winter werden, die Tiere bereiten sich darauf vor. Nüsse haben viel Fett und das braucht man um den Winter gut zu überstehn.

Da sitz ich nun wieder, noch mit einem Bein im Sommer und mit dem Zweiten irgendwie schon im Herbst Winter …sehend, wie die Blätter vom Baum fallen, die Kürbisse groß und reif werden, wie die roten Rübern immer mehr an Geschmack annehmen. Ja es wird langsam aber sicher..die dunklere Zeit des Jahres beginnt….

Gleichzeitig erinnere ich mich an die Zeit als ich hier in Wien ankam. Ich verstand den Wiender Schmäh nicht immer, obwohl ich “nur” aus der Steiermark in diese große Weltstadt reiste. Es war mir fremd. Ein Mischung aus Melancholie und Liebe, etwas dekadent, aber gleichtzeitig einfach direkt und immer mit ein wenig Vergänglichkeit geschmückt. Der Schmäh der Wiener, wie mir ein Mentor erzählte, ist sehr eng mit dem Tod verbunden. Die Wiener haben ein eigenes Verhältnis zum Tod. Es ist als spazieren sie an der Friedhofsmauer des Zentralfriedhofs entlang, mit einem Bein dem Tod nahe, mit dem anderen dem Leben fröhnend bei einem Spritzer oder an Seidl Bier.

Die Kofrontation mit der Vergänglichkeit, mit dem Tod. Der Tod als Coach…klingt etwas seltsam…… Aber ich habe vieles erlebt und gesehen. Der Umgang damit ist in unseren Breitengraden sehr voller Scham, voller Angst, voller Tabu…..nein nur nicht anstreifen. Obwoh wir der Natur jedes Jahr ein bisschen beim Sterben zu sehen……

Eine weise Frau sagte einst zu mir:” ab der Geburt sterben wir jeden Tag ein bisschen.” Mit jedem Abschied lernen wir ein Stück zu sterben eine kleines Stückchen wieder loszulassen von diesem irdischen Leben…..Naja dachte ich mir……aber als meine Kinder groß wurden und begannen sich zu verabschieden, jeden TAg ein bisschen mehr, da war mir mein Herz oft sehr schwer. DA verstand ich was sie im Kleinen meinte. Sie gehen lassen, sie ziehen lassen, sie in ihre Verantwortung zu entlassen und auch ich dadurch ein Stück zu befreien …….An einem Nachmittag als ich am Flughafen stand und mein Sohn, 14 jährig, für 3 Monate Europa verließ, da dachte ich dieses Loch, das ich da gerade spürte, wird wohl nicht mehr zu gehen. Mein Mensch sein und meine Liebe zu ihm, die wußten, Mutterherz lass ihn gehen, das ist großartig und wundervoll dies zu tun und zu erleben. WAs blieb, war ein Mutterherz, das loslassen lernte. Das Gute war, ich konnte es zulassen, ich konnte ihn erfahren lassen, ich konnte meine Gefühle leben und ich konnte Vertrauen lernen.

So schwer tun wir uns mit dem Loslassen oft. Kleinigkeiten einfach loslassen, einfach so. Weg von Besitz und besitzen. Fast all Irdisches überlebt uns, nur wir glauben es zu besitzen, sogar unsere Kinder und liebsten Mitmenschen, Partner. Nein nichts hier auf dieser Erde gehört uns, nein rein gar nichts. Wir dürfen es bewohnen, erleben, weitergeben, geniessen…..aber wenn du gehst, dann gehst du nackt. Nackt körperlich und frei – hoffentlich – und leicht und mit Freude.

Diese Tage und Wochen, wo der Nebel über das Land zieht, es kalt wird, die Bäume jeden Tag mehr Blätter verlieren und kahl werden……..diese Tage erinnern uns und lassen uns spielerisch lernen, wie einfach es sein kann etwas abzuwerfen, loszuwerden, sich aus zu ruhen, Kraft zu sammeln, still zu sein.

Ich mag diese Zeit, sie gibt mir die Möglichkeit ruhiger zu werden, mir Zeit zu nehmen, mich auszuruhen und Zeit mit meinen Lieben zu verbringen. Zusammen sitzen und plaudern, gemeinsam Tee trinken , spielen, kochen, Geschichten erzählen. Die Menschen die so wie ich mitten im Leben stehen, treffe ich, lade ich ein und genieße die Zeit, die sie mir schenken und die ich ihnen schenken kann. Die anderen Menschen, die nicht mehr physisch umarmbar, liebkosbar sind, oder mir persönliche Antworten geben können, die treffe ich auf eine andere Art und Weise. Ich schaue mir Fotos an, oder erinnere mich an Situationen mit ihnen, die mein Leben verändert oder nachthaltig beeinflusst haben. Ich denke an meinen Papa, dem ich viel verdanke, vieles meines Weltenbummlergeistes, meine Hammerloma, mein Hammerlopa, meine Tante Pepi, mein Onkel Herbert, mein Onkel Anderl, meine Schwimmbadomi, mein Schwimmbadopi, meine Schulkollegin Barbara, meine Kinesiologiefreundin Sigrid, meine Nichte Anna……..

Als meine Hammerl Omi starb, ich war damals 7 Jahre alt, ich habe meine ersten Lebensjahre bei ihr verbracht, sie hat mir rechnen beigebracht, da wollten die Erwachsenen rund um mich, mich schonen und baten mich nicht mit auf das Begräbnis zu gehen. Ich verstand das damals nicht, warum wollte man mich da nicht dabei haben, ich wollte ihr doch noch tschüss sagen….so gerne hätte ich das wollen. Die Zeit des Begräbnisses verbrachte ich als Älteste mit meinem Bruder, meiner Kousine und meinen Kousins…..

Ich hätte mich gerne verabschiedet, zumindest in der Kirche, wo sie immer so gerne war……….

Als mein geliebter Vater verstarb hatte ich 2 Jahre Zeit langsam von ihm Abschied zu nehmen und trotzdem war der Tod dann sehr schmerzhaft. Ich erinnere mich genau an die letzte Umarmung und seinen Blick und ich wußte, das war der Abschied, auch wenn er dann noch ein paar Monate gelebt hat….. Die Zeit der Trauer war sehr intensiv. 3 kleine Kinder, meine großarteigen Söhne erinnerten mich täglich an das Leben, an die Freude, an Aufgaben und so gelang es mir mich täglich mehr mit dem Tod und seinem Schmerz den er in mir hinterlies an zu freunden. Ich fand mich wieder zwischen Schmäh und Traurigkeit. Ich machte richtige Bekanntschaft mit dem Tod und dem Gefühl der Vergänglichkeit. Heute nehme ich den Tod manchmal an meine Hand und bitte ihn mir den Weg der Lebendigkeit, den Weg des Lebens zu zeigen. Und da spüre ich sie all meine Lieben in der Anderswelt, ich verbinde mich mit ihnen und manchmal bekomme ich Antworten auf meine Fragen, fürs Leben hier. Dies tut mir gut, es erfüllt mich, ich fühle mich geführt, geliebt bis in den Tod, umarmt und gehalten. Dies lässt mich LEBEN. Dies lässt mich STRAHLEN. Diese lässt mich LIEBEN. Keine Angst loszlassen macht mich frei und glücklich. Manchmal erwischt es mich dann doch, in meinem kleine ich, das festhalten wollen, das nicht glauben, die Traurigkeit – dies passiert immer dann wenn ich mich selbts verliere, wenn ich zu viel arbeite, mich zu sehr um andere kümmer, ich mich ablenken lasse, zu schnell bin und mich vom Leben der anderen mitreissen lasse. Dann erinnere ich mich an den Herbst, an die Stille, an die Ruhe und gehe langsamere Schritte und dann spüre ich sie wieder meine Ahnen und es lässt mich ganz ruhig, glücklich und voller Vertrauen sein.

DANKE LEBEN – DANKE TOD für die Lektionen meines DAseins

Was mir sehr bewusst geworden ist, ist dass die Art und Weise wie wir leben sehr individuell ist. Dass aber auch die Art und Weise des Todes eine sehr persönlicher, individueller Akt ist war mir lange nicht bewußt. Wie jemand entscheidt diese irdische Welt wieder zu verlassen, ist seine persönliche Entscheidung und die gilt es zu aktzeptieren und nicht zu bewerten oder gar im nach hinein Tod zu schweigen oder unangenehm zu besprechen. Ja oft reisst uns der Tod eine Menschen aus unserem Herzen, er nimmt ihn sich anscheinend. Aber wer bin ich entscheiden zu dürfen oder jemandem vorwerfen zu dürfen wann seine Zeit gekommen ist. Meine Aufgabe ist es mit mir im Leben tief verwurzelt zu sein, dem Fluss zu folgen…ja und zu lachen, zu weinen, zu fühlen, zu geniessen, zu scheitern, zu verlieren, zu gewinnen…………………zu LEBEN

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